Ätherische Öle für besseren Schlaf

Eine der häufigsten Fragen an mich lautet: „Welche ätherischen Öle kann ich benutzen, damit ich wieder besser schlafen kann? Lavendel hilft aber nicht!“

Wenn diese Frage so einfach zu beantworten wäre…..leider gibt es kein Patentrezept „für einen besseren Schlaf“.

Schlafstörungen haben oft vielfältige Ursachen, daher gehört für mich ein ausführliches Gespräch mit der betroffenen Person dazu, um eine Auswahl an ätherischen Ölen treffen zu können.

Unterschieden werden folgende Formen der Schlafstörung:

  •  Einschlafstörung
  • Durchschlafstörung
  •  Ausschlafstörung

Mindestens 15 % der Deutschen sollen unter Schlafstörungen leiden.

Ursachen für Schlafstörungen können neben Krankheiten wie Parkinson, MS, Demenz usw. auch die Schlafumgebung, Stress, psychische Belastungen, Schichtarbeit und vieles mehr sein. Bei vielen Schlafstörungen liegen gleichzeitig mehrere dieser Ursachen vor. Manchmal verliert die auslösende Ursache im Laufe der Zeit an Bedeutung oder verschwindet ganz, aber die Schlafstörung bleibt, weil sie sich verselbständigt hat. So kann es sein, dass die Angst vor einer schlaflosen Nacht die Schlafstörungen weiter verstärken.

 

Schlafstörungen können also zu einer wirklich Belastung für Betroffene werden und ihr Leben maßgeblich beeinflussen und die Lebensqualität stark mindern. Daher sollten Schlafstörungen in jedem Fall diagnostisch abgeklärt werden. Manchmal kann es sogar nötig sein, z.B. in akuten Stresssituationen (z.B. Tod des Partners) für eine kurze Zeit auf Schlafmittel zurück zu greifen. Die Behandlung sollte jedoch zeitlich stark eingegrenzt werden, da viele Schlafmedikamente (z.B. Benzodiazepine) eine Medikamentenabhängigkeit auslösen können. Benzodiazepine hemmen im Gehirn die Erregbarkeit von Nervenzellen. Sie ahmen dabei die Wirkungen des körpereigenen Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure) nach. Sie binden an die gleichen Rezeptoren und wirken daher insgesamt beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfend, angstlösend, entspannend und schlafanstoßend.

 

2010 wurde ein neues pflanzliches Medikament auf der Basis mit ätherischem Lavendelöl auf den Markt gebracht: „Lasea“. Lasea ist in einer Phase II-Untersuchung an 50 weiblichen und männlichen Patienten als Medizin bei posttraumatischen Belastungsstörungen identifiziert worden. Die betroffenen Menschen litten an Unruhezuständen (96%), depressiver Verstimmung (98%), Schlafstörungen (92%) oder Ängsten (72%). Die Verbesserungsrate nach 6 Wochen Einnahme einer Lasea-Lavendelölkapsel (80mg) pro Tag betrug: 62 Prozent bei den Unruhezuständen, 57 Prozent bei den depressiven Verstimmungen, 51 Prozent bei den Schlafstörungen und 62 Prozent bei den Ängsten. Somit können diese in jeder deutschen Apotheke erhältlichen Kapseln auch bei Neurasthenie genommen werden, das ist ein extremer Belastungs- und Erschöpfungszustand (im Prinzip ein Burnout). Bei manchen Menschen führt diese Anwendung von Lavendelöl zu milden bis moderaten Magenproblemen wie Aufstoßen. [Uehleke B, Schaper S, Dienel A, Schlaefke S, Stange R. Phase II trial on the effects of Silexan in patients with neurasthenia, post-traumatic stress disorder or somatization disorder. Phytomedicine. 2012 Jun 15;19(8-9):665-71] – Quelle Eliane Zimmermann

 

Ätherisches Lavendelöl ist reich an Linalylacetat (Ester) und an Linalool (Monoterpenalkohol) beide Inhaltsstoffe gelten als entspannend, beruhigend und angstlösend. Lasea wirkt offensichtlich über eine Hemmung präsynaptischer Calcium Kanäle Das heißt es sorgt für einen geregelten Calciumeinstrom in den Nervenzellen, dadurch werden weniger erregende Botenstoffe ausgeschüttet und die Nervenzellen kommen wieder zur Ruhe.

 

Eine Wirksamkeit tritt jedoch meist erst nach etwa zwei Wochen ein. Aber keine Sorge dieses pflanzliche Medikament führt nicht zur Abhängigkeit und ist in jedem Fall einen Versuch wert!

 

Zur Auswahl von ätherischen Ölen zur Unterstützung eines besseren Schlafes ist jedoch auch wichtig das allgemeine Befinden, den Menschen ganzheitlich und die Lebenssituation zu betrachten. Erst dann kann eine Auswahl getroffen werden, bei der die „Nase“ des Betroffenen die entscheidende Rolle spielt. Denn grundsätzlich könnte jedes ätherische Öl hilfreich sein, welches für den Menschen in dem Moment am wohltuensden empfunden wird.

 

Die erste Idee, die den meisten Menschen einfällt ist der Lavendel (Lavandula angustifolia). Hierbei sollte beachtet werden, das Lavendel nicht gleich Lavendel ist.
Der Lavendel zählt mit zu den besterforschtesten ätherischen Ölen, unzählige Studien findet man im Internet und nicht wenige von Prof. Buchbauer aus Wien. (klick hier)

Lavendel fein
Der offizielle oder „echte“ Lavendel führt uns in die höheren Lagen der Haute Provence. Dort wächst er ab 500 m. Auf diesen Feldern wachsen viele unterschiedliche Lavendelpflanzen. Lavendel fein enthält mehr als 100 Inhaltsstoffe. Dies ist einer der Gründe für die vielseitige Anwendung dieses Klassikers der Aromatherapie.

Lavendel extra (Berglavendel usw.)
Hierbei handelt es sich um den wilden Berglavendel aus der Haute Provence.
In den Bergen der Haute Provence, auf über 800 bis 1200 m Meereshöhe, wächst der wilde Berglavendel, ein feiner Lavendel von höchster Qualität mit wertvollen Inhaltsstoffen.  Er riecht kräftiger und schärfer als der Lavendel fein. Sammlergruppen ernten dort in mühevoller und harter Arbeit diese Wildsammlung, denn dort kann nicht maschinell gearbeitet werden wie unten in der Ebene.  Ihn nennt man auch „Heillavendel“.

Weitere Lavendelarten:

Lavandin (Lavandula intermedia)
auch als “Putzlavendel” bekannt, ziert die Bilder und Postkarten tiefblauer Lavendelfelder aus der Provence.
Der Lavandin hat im Gegensatz zum Lavendel fein einen relativ hohen Anteil an Kampfer und wirkt dadurch eher anregend und wenn sich so mancher unwissende Lavendelöl Käufer wundert, dass er nicht einschlafen kann, sondern eher angeregt sich die Nacht um die Ohren schlägt, dann hat er unwissentlich Lavandin eingekauft. Lavandin wird häufig auf den Ölfläschchen auch als Lavendel deklariert und wenn die botanische Bezeichnung auf dem Etikett fehlt, weiss man eben nicht genau um welchen Lavendel es sich handelt! Er ist kontraindiziert bei Säuglingen und Menschen mit hohem Blutdruck.

Speiklavendel (Lavandula spica)
ein breitblättriger (latifolia) Lavendel, der ca. 28 % 1,8-Cineol enthält, weshalb man ihn z.B. auch bei Bronchitis und Schnupfen, sowie rheumatischen und athritischen Schmerzen einsetzt. Sein Kampfergehalt liegt bei ca. 16 %, daher durchblutungs- und auswurffördernd.
Speiklavendel ist anregend und belebend, fördert die Gehirntätigkeit und könnte daher in Mischungen zur Aktivierung demenziell Erkrankter eingesetzt werden. Da der Borneongehalt (Kampfergehalt) stark schwanken kann, sollte man als Laie bei der Anwendung bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern eher vorsichtig sein.

Schopflavendel (Lavandula stocheas)
auch Schmetterlingslavendel genannt. Dieser Lavendel hat einen sehr hohen Monoterpen-Ketongehalt von bis zu 70 % (zusammengesetzt aus ca. 25% Borneon und ca. 45% Fenchon). Neben seinen ausgezeichneten auswurffördernden, antibakteriellen, zellregenierenden und entzündungshemmenden Wirkung, besitzt er nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Er kann neurotoxisch und Abortiv wirken und sollte deshalb nur von erfahrenen Aromafachleuten verwendet werden!

Erfahrungsgemäß hilft der Lavendel (Lavandula angustifolia) oft nicht, wenn die Schlafstörungen mit „Unerledigtem“ zusammenhängen, wie z.B. Streitigkeiten, nicht erledigte Arbeit, Unausgesprochenes und auch bei dementen Patienten die auf der Suche sind (Lauftendenz, Suche nach dem Nach Hause Weg usw.).

Auswahlmöglichkeit für Menschen mit Schlafstörungen:

Melisse (Melissa officinalis)
•    angstlösend
•    beruhigend (psychisch/physisch)

zu beachten wäre, dass die Melisse im Zusammenhang mit Unruhe, Ängsten und Schlafstörungen immer nur gering (max. 1%ig) dosiert werden sollte, da sonst sogar eine eher belebende Wirkung eintreten kann.

Narde (Nardostachys jatamansi)
•    stark beruhigend
•    hormonregulierend
•    kardiologisch
Der sehr starke (baldrianähnliche) Geruch der Narde verbietet regelrecht eine Überdosierung, daher reicht in Mischungen oft ein Tropfen schon aus.

Zeder (Cedrus atlantica)
•    stabilisierend (in Krisenzeiten)
•    bei Heimweh
•    bei Trennung
•    beruhigend

 

zeder Kopie

 

Mandarine rot (Citrus reticulata)
•    beruhigend
•    entkrampfend
•    seelisch aufhellend
Durch den zwar sehr geringen Anteil Methylanthranilat (Ester) in der Mandarine, wirkt diese eher entkrampfend (psychisch und körperlich), beruhigend und ausgleichend. Sie ist nicht nur ein Kinderöl, sondern wird meiner Erfahrung nach auch von vielen (männlichen) Erwachsenen sehr gemocht!

Petit Grain Mandarine (Citrus reticulata)
•    entspannend
•    entkrampfend
•    stresslösend
Petit Grain kann helfen alte Gefühle zu verarbeiten, Verdrängtes anzunehmen.

Majoran (Origanum majorana)
•    nervenberuhigend (Parasympathikus)
•    beruhigend
•    stärkend
•    entkrampfend
Hilft loszulassen statt sich zu ärgern.

Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
•    hilft negative Folgen von Stress zu mildern
•    ausgleichend
•    blutdruckregulierend
•    hormonmodulierend

Muskatellersalbei (Salvia sclarea)
•    stark ausgleichend
•    entkrampfend
•    löst Stagnierendes (auf körperlicher und seelischer Ebene)
•    hilft loszulösen
•    hormonell ausgleichend

Ylang-Ylang (Cananga odorata)
•    leicht blutdrucksenkend
•    entspannend
•    beruhigend
•    sich hingeben
•    Ärger/Druck/Frust herunterfahren

Jasmin sambac (Jasminum sambac)
•    stärkt das Vertrauen
•    hilft bei Ängsten sich einzulassen
•    hormonmodulierend
•    stimmungsaufhellend

Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
•    vermittelt Geborgenheit und Wärme
•    angstlösend
•    entspannend
Benzoe ist wie eine weiche Wolldecke in die man sich einkuschelt und sich wohl fühlt.

Blutorange (Citrus sinensis)
•    stressmildernd
•    entspannend
•    seelisch aufhellend
•    fördert die Gelassenheit

Neroli (Citrus aurantium ssp. amara)
•    bei Schock und Trauer
•    bei Angst
•    stimmungsaufhellend
•    ausgleichend
•    entspannend
Oft reicht es sogar aus, dass Orangenblütenhydrolat als Spray für Puls oder Dekolletee zu benutzen.

Palmarosa (Cymbopogon martinii)
•    emotional ausgleichend
•    stressabbauend
•    gibt ein Gefühl von flexibler Anpassungsfähigkeit und Sicherheit
•    hilfreich für praktische Lösungen
•    hält emotionale Turbulenzen unter Kontrolle

Kamille römisch (Chamaemelum nobile)
•    stresslösend
•    stark beruhigend
•    stark entkrampfend
•    angstlösend
•    baut Aggression ab (auch Autoaggression)
Die römische Kamille hat mit den höchsten Esteranteil in ätherischen Ölen. Ester wirken stark körperlich und seelisch entkrampfend- ihr Motto: „Froh, heiter und gelassen“

Diese (kleine) Auswahl ätherischer Öle kann als Übersicht helfen, bei genauem Zuhören im Gespräch mit betroffenen Menschen die passenden Öle in einer Vorauswahl zu finden. Diese sollten immer zum Testen angeboten werden. Letztendlich trifft der Betroffene die Auswahl selbst!

Rituale wie z.B. Fuß- und Handbäder, Handwickel, Ölauflagen oder Atemübungen können bei Einschlafstörungen eine gute Unterstützung bieten. Rituale vermitteln Sicherheit und Zeit über Tagesereignisse und anstehende Dinge nachzudenken, ohne diese mit ins Bett zu nehmen. Somit wird z.B. nächtlichem Grübeln und dem „Gedankenkarussell“ vorgebeugt.

Auch Entspannungsübungen, Duft- oder Phantasiereisen oder wohltuende Anwendungen mit ätherischen Ölen helfen nicht nur am Tag Ruhe zu bewahren, sie Erleichtern auch oftmals das Ein- und Durchschlafen.

Beispiele aus der Aromapflege:

Folie1

 

5 Kopie

 

Folie2

 

Folie3

 

 

In die Auswahl der Öle lasse ich zum einen mein aromatherapeutisches Wissen, als auch die Duftkommunikative Arbeit mit einfließen. Diese Kombination trifft oft den Nagel auf den Kopf.

Wer mehr über Duftkommunikation erfahren oder diese gar lernen möchte findet hier alle nötigen Informationen.

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