Eukalyptus-Blasenauflagen auf einer urologischen Station

Die Wirksamkeit von Eukalyptus-Blasenauflagen als Prophylaxe vor Harnwegsinfekten nach transurethraler Resektion der Blase und Prostata

erstellt von: Marlies Terpelle

Marlies hat im Herbst 2019 bei ViVere ihren Abschluß zur Expertin für Aromapflege (klick hier) absolviert, sie hat mir erlaubt ihre Projektarbeit auszugsweise hier vorzustellen. Ich möchte darauf hinweisen, dass alle Rechte bei der Verfasserin der Projektarbeit liegen. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin erlaubt.

Ich arbeite seit vielen Jahren in der Urologie, daher möchte ich in meiner Facharbeit ein urologisches Thema behandeln, bzw. untersuchen:

Die Wirksamkeit von Eukalyptus-Blasenauflagen als Prophylaxe vor Harnwegsinfekten nach transurethraler Resektion der Blase und Prostata

Da Patienten mit einer postoperativen Urindauerableitung ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte haben, möchte ich untersuchen, ob und wie viele Patienten nach transurethraler Resektion ( TUR) nach DK-Entfernung pathogene Keime im Urin haben und ob sich diese Keimbesiedlung durch Eukalyptus-Blasenauflagen verringern läßt. Ein positiver Nebeneffekt könnte sein, dass die Patienten weniger Schmerzen durch den Dauerkatheter ( DK ) verspüren, da Eukalyptus glob. auch spasmolytisch wirkt.

Infektprophylaxe :

Bis vor einigen Jahren erhielten alle Patienten mit einer TUR eine Antibiotika-Prophylaxe vom OP-Tag bis zur Entlassung, um das Risiko, einen HWI durch den DK zu bekommen zu minimieren.
Seitdem die Antibiotika-Richtlinien auf Grund der Resistenzen überarbeitet wurden, erhalten die Patienten mit einem „sauberen“ Urin nur noch eine einmalige Gabe Antibiotika intraoperativ, bzw. keine Antibiose.
Zur Abklärung des Urins erhält jeder Patient bei der Aufnahme eine Urinuntersuchung, und zwar einen Urin-Status mit Sediment und einen Uricult, in der Regel aus Mittelstrahlurin. Falls der Patient mit einem Harnwegsinfekt kommt, erhält er eine durchgehende Antibiotika-Therapie, wobei die OP je nach Befund manchmal auch um einige Tage verschoben wird.
Am Entlassungstag findet keine Urinkontrolle auf einen HWI statt.

Bei einem Treffen mit den niedergelassenen Urologen gaben diese dem Chefarzt und den Oberärzten unserer Abteilung die Rückmeldung, dass viele Patienten nach TUR wenige Tage nach Entlassung mit einem HWI in den Praxen vorstellig würden.
Dies hat natürlich zu Diskussionen geführt, um mögliche Ursachen zu identifizieren und möglichst auszuräumen.
Als Hauptursachen wurden der reduzierte antibiotische Schutz und mangelnde Hygiene seitens der Patienten benannt, welche meist aus Unwissenheit und Unsicherheit im Umgang mit dem Katheter entsteht.
In früheren Zeiten machte die Pflege zweimal täglich eine“ Katheterrunde“, in welcher der Katheter desinfizierend gereinigt wurde und der Patient eine Anleitung zur Intimhygiene bekam. Auf Grund der zunehmenden Fallzahlen bei gleichbleibenden Personalschlüssel fiel die „Katheterrunde“ nebst anderen Tätigkeiten einer Umstrukturierung zum Opfer.

Warum ist das Tragen eines DK ein Risiko für Harnwegsinfekte und warum wirken ätherische Öle antibakteriell :

Der Dauerkatheter stellt als Eintrittspforte für Bakterien ein Risiko dar. Bakterien können entlang des Katheters in die Blase gelangen und dort Infektionen auslösen.

Die bakterizide Wirkung von ätherischen Ölen beruht darauf, dass sie das Wachstum von Bakterien stören und die Bildung von Biofilmen auf Katheter entgegen wirken können.
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Bakterien das sog.  „Quorum Sensing“ (Schwarm-Intelligenz) nutzen. Dies beschreibt einerseits einen Mechanismus, den die Bakterien nutzen um sich “abzusprechen”, um eine bevorstehende “Attacke” möglichst erfolgreich ausführen zu können.
Andererseits werden hier Kommunikationswerkzeuge der Mikroorganismen beschrieben. Man kennt mittlerweile einige Riechstoffe, die die „Unterhaltung“ empfindlich stören können. Der Angriff mag dann noch stattfinden, aber unkoordinierter und weniger erfolgreich. (Quelle: Eliane Zimmermann, Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Haug-Verlag, 6. Auflage, S. 138 )

Zu den wirksamen ätherischen Ölen zählt Eukalyptus Globulus.

weitere Rezepturen für die Aromapflege findest du im Buch “Aromatherapie in der häuslichen Pflege” (klick aufs Bild)

Wieso wirkt Eukalyptus Globulus als Blasenauflage bei Harnwegsinfekten

Die antibakterielle Wirkung von Eukalyptus glob. beruht auf dem hohen Anteil von dem Oxid
1.8-Cineol ( ca. 70%) und dem Anteil an Monoterpenen ( ca. 20%). Bei den Monoterpenen wirken besonders alpha-Pinen und Myrcen antibakteriell.
Das Monoterpenol Alpha-Terpineol hat sich als besonders wirksam bei der Störung des „Quorum Sensing“ erwiesen.
Da das Tragen eines Dauerkatheters bei vielen Patienten Blasenkrämpfe und Schmerzen hervorruft, kommt zusätzlich noch die spasmolytische Wirkung des Monoterpen alpha-Phellandron und des Esters Terpenylacetat zum Einsatz , indem sie entspannend auf die Blasenmuskulatur und den Schließmuskel wirken.

Durchführung:

  • Um festzustellen, wie viele Patienten nach TUR tatsächlich einen HWI haben, mache ich bei 30 Patienten am Entlassungstag eine Urinuntersuchung ( U-Status/Sediment ).
  • Danach Start der Anwendung der Eukalyptus-Blasenauflagen, ebenso bei 30 Patienten.
    Der Patient wird zu den Auflagen informiert, der Ablauf wird erklärt, es folgt das Einholen, bzw. Unterschreiben der Einverständniserklärung und eine Probe auf Verträglichkeit in der Ellenbeuge.
  • Ab dem ersten postoperativen Tag erhält der Patient täglich eine auf Körpertemperatur erwärmte Eukalyptus-Blasenauflage aufgelegt, diese wird mit einem Waschhandschuh zum Wäscheschutz abgedeckt. Der Patient erhält die Information, die Auflage mind. eine Stunde zu belassen und ggfs. zur Nacht nochmals aufzulegen. Zusätzlich informiere ich den Patienten zur Intimhygiene und führe eine desinfizierende Reinigung des Dauerkatheters durch.
  • Am Tag der DK-Entfernung erhält der Patient weiter seine Auflage, zusätzlich teile ich den Fragebogen und einen sterilen Urinbecher für die Urinprobe am nächsten Morgen aus. Der Patient wird darüber informiert, dass es der erste Morgenurin und hier ein Mittelstrahlurin sein sollte.
  • Am Entlassungstag Bearbeitung der Urinprobe zur Laboruntersuchung und Einsammeln des Fragebogens. Nach Auswertung der Probe Information des Patienten zum Ergebnis.

 

Praktische Durchführung :

  • Zur Ermittlung der Keimbesiedlung des Urins nach TUR nach DK-Entfernung am Entlassungstag schickte ich von 30 Patienten eine Urinprobe ins Labor, um einen Urinstatus mit Sediment machen zu lassen. Zum Vergleich habe ich die Urinbefunde vom Aufnahmetag. Die Ergebnisse folgen unter Punkt Auswertung.
  • Start der Anwendung der Eukalyptus-Blasenauflagen, ebenso bei 30 Patienten.
    Ich habe am Aufnahme-, bzw. 1. postoperativen Tag die Patienten angesprochen, die eine TUR erhalten sollen, bzw. erhalten haben. Ich informierte sie über die Möglichkeit der aromapflegerischen Anwendung einer Eukalyptus-Blasenauflage, beschrieb ihnen die Wirkung und bot eine Probe in Form eines Tropfens Ölmischung an.
    Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Ich habe insgesamt 44 Patient/Innen angesprochen, von denen 9 Patienten direkt abgelehnten. Die Begründung war meist,
    „dass sie dafür jetzt keinen Kopf haben“ oder „die Schulmedizin macht das schon, sie hielten nichts von alternativer Medizin“. Einige sagten erst zu, nachdem sie erfahren haben, dass es nichts kostet. 5 Patienten brachen die Anwendung nach der 1. Auflage ab, da Ihnen der Duft zu intensiv war.
    Es waren ausschließlich Männer, die ablehnten.
    Die meisten Patienten waren jedoch sehr offen und mit der Anwendung einverstanden, sodass sie die Einverständniserklärung unterschrieben.
    Den Probetropfen habe ich in die Ellenbeuge gegeben, sodass ich auch direkt eine Testung auf Verträglichkeit der Ölmischung hatte. Es sind bei keinem Patienten Hautreaktionen aufgetreten.
  • Ich habe täglich die Ölmischung ( 5% Eukalyptus glob. in 95% Olivenöl = 10 Tropfen ätherisches Öl in 9.5 ml natives Olivenöl ) zubereitet und die Auflagen gemacht, zwischen den Warmpacks auf 37 Grad erwärmt und bin zu den einzelnen Patienten gegangen, die sich für die Anwendung entschieden haben.
    Oft eröffnete ich das Gespräch mit der Frage, wie er/sie die gestrige OP überstanden habe, bzw. wie das Befinden sei. Dadurch kam direkt ein Gespräch in Gang, in welchem ich Informationen zum postoperativen Verhalten und zur Intimhygiene gab. Häufig führte ich bei älteren Damen und Herren, die in der Durchführung unsicher waren, die Intimhygiene durch. Danach habe ich den DK desinfizierend gereinigt. Erst dann legte ich die erwärmte Eukalyptus-Blasenauflage auf, die ich mit einem Waschlappen zum Wäscheschutz abdeckte. Bei den ersten Patienten habe ich noch das temperierte Warmpack mit aufgelegt, aber das erwies sich als unpraktisch und wurde von den Patienten abgelehnt. Die Patienten wurden darüber informiert, dass die Blasenauflage mindestens 1 Stunde liegen bleiben solle, um sie danach wieder in die Plastiktüte zu legen, um sie gegebenenfalls zur Nacht nochmals aufzulegen. Einige Patienten sind diesem Rat gefolgt und empfanden die Blasenauflage als sehr entspannend.

Die Dauerkatheterentfernung findet in der Regel am 2. oder 3. postoperativen Tag statt. Viele Patienten waren sehr erfreut, das sie die Blasenauflage auch weiterhin bekamen. Ich informierte zum Verhalten zuhause ( Merkblatt ) und teilte mit der Auflage auch den Patientenfragebogen und einen sterilen Urinbecher für die Urinprobe am nächsten Morgen aus. Hier zeigte es sich als wichtig, nicht nur mündlich zu informieren, sondern die Urinbecher auch zu beschriften, da 2 Urinproben durch eine sehr hohe Bakterienzahl auffielen. Bei Nachfrage erfuhr ich, das es der letzte Abendurin war und nicht der erste Morgenurin, sodass die Probe die ganze Nacht im warmen Zimmer stand und die Bakterien sich munter vermehren konnten.

Am Entlassungstag ging morgens die bereitgestellte Urinprobe direkt ins Labor, um das Ergebnis möglichst noch vor der Entlassung zu bekommen und dem Patienten mitzuteilen. Einige Patienten haben auf das Ergebnis gewartet, manche sind aber auch sobald sie die Entlassungspapiere hatten, gegangen. Nur 2 Patienten haben das Angebot, noch 2 Blasenauflagen für Zuhause mitzunehmen angenommen.

Auswertung der Urine am Aufnahmetag in der Gruppe ohne Eukalyptus-Blasenauflage

Nitritpositiv getestetLeukozytenzahl im Urin >= 500
TUR-Prostata11
TUR-Prostata + SPK-Anl.11
TUR-Blase12
TUR-Blasenhals
TUR-Blase + Prostata11
45

 

 

 

 

 

 

 

 

Auswertung der Urinbefunde nach Eukalyptus-Blasenauflage
Urinbefunde vor Aufnahme:    

Nitritpositiv getestetLeukozytenzahl im Urin >= 500
TUR-Prostata1
TUR-Prostata + SPK-Anl.
TUR-Blase15
TUR-Blasenhals1
TUR-Prostata im Vorfeld DK-Träger1
27

 

Die Anzahl der nitrit-positiven Harnwegsinfekte ist deutlich gesunken.

Die Patienten waren mit der Anwendung der Eukalyptus-Blasenauflage sehr zufrieden.

Dies spiegelt sich auch in den Rückmeldungen aus den Fragebögen. Alle Patienten empfanden die Anwendung als angenehm bis sehr angenehm. Nur 3 Patienten meldeten, dass sie starke bis sehr starke Beschwerden durch den Dauerkatheter verspürten. Die Mehrzahl, nämlich 18 Patienten gaben leichte bis keine Beschwerden an.

Sehr positiv wurde auch häufig im Gespräch erwähnt, dass die Patienten während der Anwendung Zeit hatten, Fragen zu stellen, bzw. ich bei der Intimhygiene unterstützt und Informationen zum postoperativen Verhalten gegeben habe.

Zu erwähnen wäre noch, dass es bei keinem Patienten mit Blasenauflage nach DK-Entfernung zu einem Harnverhalt kam.

Ein Patient, den man ruhigen Gewissens als „Profi“ bei den TUR bezeichnen kann ( mind. 6 TUR der Blase in den letzten 5 Jahren ) äußerte, dass dies der angenehmste Aufenthalt mit den geringsten Beschwerden gewesen sei. Mehrere Patienten wünschten sich Informationen über Anwendungsmöglichkeiten zu Hause.

 

Fazit :

  1. Eukalyptus-Blasenauflagen wirken sich positiv auf den postoperativen Verlauf aus.
    Die Patienten haben weniger Beschwerden durch den Dauerkatheter und sie fühlen sich besser informiert. Das steigert die Zufriedenheit.
    Die Urinqualität hat sich gebessert, d.h. die Anzahl der nitrit-positiven HWI konnte gesenkt werden.
  2. Die Kosten für das Haus sind sehr gering mit ca. 1 Euro pro Patient.
  3. Die benötigte Arbeitszeit für die Information und Anwendung liegt im Moment noch etwas hoch mit ca. 1 – 2 Stunden pro Tag. Wenn sich die Blasenauflagen etabliert haben ist mit einem geringeren Zeitaufwand zu rechnen.
  4. Die Außenwirkung, bzw. die Mundpropaganda ist schon in Gang gesetzt. Ich wurde schon von Patienten angesprochen, ob sie auch so Auflagen bekämen, von denen der Nachbar so positiv gesprochen hätte.
  5. In den Fragebögen äußerten sich viele Patienten positiv zu weiteren Angeboten aus der Aromapflege. Das Angebot könnte ausgebaut werden, die Außenwirkung, bzw. der Imagegewinn gegenüber anderen Häusern, die keine Aromapflege anbieten, würde steigen.

Standard zur Aromapflege-Anwendung :

Blasenauflage mit einer Eukalyptus-Ölmischung

 Indikation:

  1. Zur Infektprophylaxe bei Patienten nach TUR
  2. Zystitis
  3. Spasmen und Schmerzen in der Blase durch Blasenkatheter-Anlage

Wirkung der Maßnahme:

Das ätherische Öl wird über die Haut aufgenommen und wirkt desinfizierend, schmerzlindernd und entkrampfend auf die Blase.

Kontraindikationen:

  • Unverträglichkeit der Ölmischung
  • Duftabneigung

Ölmischung:

Zur Prophylaxe: 5% Eukalyptus globulus in 95 % nativem Olivenöl , entspricht
10 Tropfen Eukalyptus globulus = 0.5 ml in 9.5 ml Olivenöl

Bei Spasmen oder gesicherter Cystitis: 10% Eukalyptus globulus in 90% Olivenöl, entspricht 20 Tropfen Eukalyptus globulus = 1 ml in 9 ml Olivenöl

Material:

  1. Ätherisches Öl: Eukalyptus globulus
  2. Basisöl: natives Olivenöl
  3. Unsterile Kompressen
  4. Waschhandschuh
  5. Wärmekompresse
  6. Händedesinfektion
  7. Plastiktüte
  8. Unsterile Medikamentenbecher

 Durchführung:

  • Patient informieren und Einverständnis einholen
  • Verträglichkeitsprobe: 1 Tropfen Ölmischung in die Ellenbeuge geben, nach 15 Minuten Kontrolle auf Hautreaktionen
  • je nach Indikation die entsprechende Ölmischung auf eine Kompresse geben und in einer Plastiktüte zwischen 2 Wärmepacks auf Körpertemperatur erwärmen
  • erwärmte Kompresse aus der Tüte nehmen und dem Patienten unterhalb des Bauchnabels in der Blasengegend auflegen, mit einem Waschhandschuh zum Wäscheschutz abdecken, gehalten wird die Ölauflage durch die Netzhose, die meist getragen wird
  • Info an den Patienten zur Anwendungsdauer: die Ölauflage sollte mind. 30 Minuten liegen bleiben, sie kann auch länger , bzw. solange es als angenehm empfunden wird, getragen werden.  Möglich ist auch eine erneute Anwendung über Nacht.
Hinweis:

  • Die Anwendung ist nur bei intakter Haut indiziert.
  • Zu dokumentieren sind:
  • Das Einverständnis zur Aromapflege
  • Das Ergebnis der Verträglichkeitsprobe
  • Die Anwendung und die Rückmeldung des Patienten zu den Blasenauflagen

 

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